Woran erkenne ich eine gute Werkstatt? Wen kann ich fragen, wenn ich unsicher bin?

Der Blinker ist kaputt, beim ausparken hat jemand die Tür verschrammt, die Frontscheibe hat einen fiesen Riss. Alltägliche Dinge mit denen Autofahrer sich herumschlagen müssen. Jetzt brennen Fragen auf der Zunge, die wir uns sonst nie stellen: Gehe ich zum Harry von nebenan, oder vertraue ich dem blitzblanken Firmenschild einer großen Vertragswerkstatt?


Oder mache ich es vielleicht doch lieber selbst? Kann ich das überhaupt? Klar, diese Fragen hätten wir uns früher stellen sollen. Aber wer denkt schon gerne an den Supergau, solange das Auto fährt?! Daher hier einige wichtige Tipps und Anlaufstellen gegen die erste Panikattacke, nachdem Sie die Beule im Heck bemerkt haben. Es gibt für jede Stadt und jedes Bundesland eine Verbraucherzentrale. Wenn Sie sich selber überhaupt nicht auskennen, ist das die perfekte erste Anlaufstelle. In Essen gibt es zum Beispiel das Haus des Handwerks. Dort können Sie anrufen und Fragen stellen, die haben Kontakt zu über 4000 Betrieben allein in Essen. Außerdem bekommen sie dort wichtige Hinweise im Umgang mit Handwerkern, worauf sie bei der Wahl der Werkstatt achten müssen und vieles mehr.

Welche Werkstatt soll es sein?

Ob Sie eine Vertragswerkstatt nutzen, hängt auch von Ihrer Versicherung ab. Wenn Sie einen Neuwagen beim Händler gekauft haben, müssen Sie zur vorgegebenen Werkstatt. Sonst verfällt die Garantie. Wenn die Garantie abgelaufen ist, können Sie zu einer Werkstattkette fahren. Diese sind meist nicht auf eine Automarke spezialisiert und auch günstiger. Der Nachteil liegt hier nicht bei der schlechteren Qualität der Mitarbeiter, sondern am Service, an dem gespart wird. Sie sind meist schwerer telefonisch zu erreichen, man hat keinen speziellen Ansprechpartner. Das macht Termine und Absprachen schwierig. Und die sind sehr wichtig. Wenn Sie zu einer freien Werkstatt, oder einem Familienbetrieb fahren wollen: Die Kosten liegen meist genau zwischen Vertrags- und Werkstattkette. Auch hier „behandelt“ man verschiedene Arten von PKW. Und es finden sich oft passionierte und fachkundige Mitarbeiter. Das wichtigste sind die Fähigkeiten des Personals und da kommt es nicht auf die Art der Werkstatt an, sondern auf einige wichtige Anzeichen.

Ich habe mir eine Werkstatt ausgesucht. Woran erkenne ich, ob sie etwas taugt?

Der erste wichtige Tipp vom Haus des Handwerks ist es, sich immer an einen Meisterbetrieb zu wenden. Nur so kann man sicher gehen, dass die Werkstatt Ihr Auto wieder fahrtüchtig macht und sie nicht über den Tisch zieht. Da fällt der Schrauber um die Ecke leider schon weg. Und wenn Sie ein neueres Auto besitzen, können Sie die meisten Reparaturen auch nicht mehr selber erledigen. Allein um die Glühbirne in einem Smart zu wechseln, muss das ganze vordere Plastikgehäuse abgenommen werden. Ansonsten ist es eine ganz schöne Frickelei die Birne hineinzubekommen. Wenn Sie nicht mit dem Arm stecken bleiben wollen, oder Ihre Kinder zwingen das Ärmchen reinzustecken, müssen Sie das Auswechseln der Birne wohl oder übel vom Fachmann machen lassen. Und der Smart steht nicht allein da. Die neueren Jahrgänge, ob Audi, Opel, oder Ford, sind technisch so aufwändig verbaut, dass ein Laie es kaum mehr hinbekommt, den Fußteppich selber auszuschlagen. Daher ist es umso wichtiger eine Werkstatt zu finden, der Sie vertrauen können.

Der zweite wichtige Punkt: In einer guten Werkstatt, wird dem Kunden nichts verheimlicht. Die Mitarbeiter sollten an einem Gespräch mit Ihnen interessiert sein. Vor- und nach der Reparatur. Wenn Sie merken, dass kaum ein Wort gewechselt wird, oder nur hinter verschlossenen Türen: Dann wechseln Sie die Werkstatt! Dass Sie die Schäden am Auto so genau wie möglich beschreiben ist ebenso wichtig, wie die fachgerechte Reparatur. Daher ist das Gespräch und das Interesse an Ihnen und dem was Sie zu sagen haben, ausschlaggebend für eine gute Werkstatt. Und obwohl es oberflächlich klingt: Eine Werkstatt, die nicht im Chaos versinkt, zeugt von ordentlicher Arbeit. Wenn jeder Schraubenzieher und jedes Ölkännchen liegen bleibt, bleibt wohl auch Ihr Auto lange stehen.

Natürlich bestätigen Ausnahmen die Regeln. Nicht jede kleine Schrauber von nebenan ist schlecht und auch nicht jede blitzblanke riesen Werkstatt ist automatisch vertrauenswürdig. Allerdings braucht man Anzeichen, an denen man sich als kompletter Laie entlanghangeln kann. Achten Sie darauf, ob sich der Meister die Mühe macht, Ihr Auto vor der Annahme zu untersuchen. Das bedeutet, er hievt es auf die Hebebühne und sucht nach dem Schaden. Gerne auch wenn Sie dabei sind. So können frühere Schäden festgehalten werden. Dieser Eingangs-Checkup ist sehr wichtig und sollte von jeder ordentlichen Werkstatt vor einer größeren Reparatur durchgeführt werden. Wird Ihr Wagen ohne Fragen einfach angenommen und irgendwo auf dem Hof geparkt, sollte Sie das hellhörig werden lassen.

Fragen ist ein weiteres gutes Stichwort: Egal weswegen das Auto in der Werkstatt steht, es kann immer noch ein anderer Defekt gefunden werden, der behoben werden muss. Allerdings sollte Ihre Werkstatt Sie immer fragen, bevor es Geld kostet. Als Faustregel gilt: Alle Mehrkosten werden abgesprochen, erst dann wird weiter am Auto geschraubt. Manche Werkstätten wollen das Auto aus Platzmangel schnell wieder raushaben und reparieren einfach drauflos. Das ist aber ein No-Go. Zum guten Service gehört es, dass man Ihnen Zeit widmet. Vorher und nachher. Wie gesagt sind Fragen immer erwünscht und sollten beantwortet werden. Aber auch ungefragt sollte der Mechaniker Ihnen erklären was mit Ihrem Auto passiert ist und warum.

Apropos Mehrkosten: Das Haus des Handwerks in Essen gibt einen weiteren wichtigen Tipp - Bitten Sie um einen verbindlichen Kostenvoranschlag. Wenn dieser festgehalten wird, darf die Höchstgrenze nicht überschritten werden. Während Ihr Auto zur Reparatur ist bekommen Sie einen Ersatzwagen. Zumindest kümmert sich ein guter Betrieb mit ordentlichem Service darum. Wenn der Betrieb klein ist, gibt es möglicherweise keine Firmeneigenen Leihwagen. Ihen sollte dann aber ein Leihwagen-Dienst in der Nähe genannt werden. Dann ist es endlich so weit: Ihr Auto ist repariert. Im besten Falle kommen Sie Ihr Auto abholen und jemand begleitet Sie zum Parkplatz, erklärt die Vorgänge und winkt Ihnen Adé. Ok, es ist vielleicht unnötig, Ihnen bei der Abfahrt hinterherzuwinken. Aber Abfahrbereit sollte Ihr Auto schon sein. Das bedeutet, es ist nicht in der hinterletzten Ecke geparkt. Es liegt nichts drin, was Sie nicht hineingelegt haben. Und Ihr Auto wurde so geparkt, dass Sie bequem wegfahren können und sich nirgends (rückwärts) rausquetschen müssen. Wenn diese Dinge auf Ihre Werkstatt zutreffen, haben Sie vermutlich eine gute Wahl getroffen.

Wenn Ihnen neben dem Service, aber vor allem auch Ihr Geld wichtig ist, sollten Sie vergleiche. Sie können sich von mehreren Werkstätten ein schriftliches Angebot machen lassen und so die Preise vergleichen. Da das sehr anstrengend ist, gibt es viele Portale im Internet, die Ihnen helfen sollen, eine geeignete Werkstatt zu finden. Um Geld zu sparen ist das Vergleichen von Werkstätten unerlässlich. Wer sich nicht auf den Rat von Freunden- und Familie verlassen will - (Großmutter sagt Sie sollen zum Schorsch in Wattenscheid. Den gibt’s schon ewig, der hat ihren Corsa von ´94 immer top in Schuss gehalten) – der versucht es online. Doch die Qualität von Vergleichsportalen ist durchwachsen. Bei einem Test vom Deutschen Institut für Service Qualität aus dem Jahr 2014 schnitten nur wenige Portale mit der Note „gut“ ab. Häufiger Kritikpunkt: Die Seiten boten nur Festpreise an, außerdem waren einige Internetseiten verwirrend und der Aufbau schlecht. Für einen Service, der nur online besteht, natürlich denkbar schlechte Voraussetzungen.

Aber verzweifeln Sie nicht: Es gibt auch einige gute Vergleichswebseiten. Testsieger der Studie vom Institut für Service Qualität war das Portal Autoscout24. Die Seite ist gut verständlich, sammelt die günstigsten Angebote in der Nähe und bietet Terminvereinbarungen an. Einfacher geht’s ja nicht. Autoservice.com bietet außerdem einen sehr guten Service und vergleicht die besten Angebote für Ihr Auto-Problem. Außerdem bietet Drivelog.de einen guten Überblick über Service, Angebote und Werkstätten in der Nähe. Die Seite ist leicht verständlich und man wird nicht dauerhaft von Werbung terrorisiert. Wenn Sie Fragen haben und ein persönliches Gespräch suchen, bietet sich der Verbraucherschutz an. Hilfreich ist auch die KFZ-Innung für Ihre Stadt, oder Ihren Kreis. Dort gibt es einen Obermeister. Der kennt die gesetzlichen Vorgaben, er weiß wo man schauen muss und außerdem hat er Ahnung von der Materie. Denn er ist selbst KFZ-Meister.

 

Wichtige Adressen und Ansprechpartner für das Ruhrgebiet:

Online Vergleichsportale

www.kfz-nrw.de
www.autoscout24.de
www.autoservice.com

Ansprechpartner

Kreishandwerkerschaft Essen Körperschaft des öffentlichen Rechts
Katzenbruchstr. 71
45141 Essen
Tel. 02 01 / 32 008 – 0
info@kh-essen.de

Foto: Pixabay

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