Urban Gardening für Balkon und Garten: Gemüse statt Supermarktware

Viele Menschen haben heute keinen Garten mehr, es zieht sie in die großen Innenstädte. Trotzdem ist der Wunsch nach einer eigenen grünen Oase enorm. Wer in der Stadt wohnt, hat dafür nur begrenzte Möglichkeiten.


Und doch blühen im Sommer die Geranien auf den Balkonen, in den Pflanzenampeln gedeihen Fuchsien und sogar einige Nutzpflanzen finden sich in den Kübeln und in den Mini-Beeten der Großstädter wieder. Es entstehen kleine grüne Paradiese, sogar Mini-Nutzgärten. Der Trend zur gesunden Lebensweise trägt dazu bei. Eigenes Gemüse anzubauen, ist in der Innenstadt nicht ausgeschlossen und es muss nicht gleich die komplette Selbstversorgung sein, trotzdem schafft es Unabhängigkeit. So wachsen in vielen Gartenlauben, Hinterhöfen oder in Großstadtgärten Gemüse, Obst und  Kräuterpflanzen in Blumenkästen oder Töpfen. Urban Gardening liegt voll im Trend. Wenn die eigenen Tomaten oder Erdbeeren selbst geerntet werden können, braucht man sich nicht um die Supermarkt-Ware zu sorgen, von der man nicht weiß, mit welchem Pflanzenschutzmittel sie bespritzt wurde.

Für die perfekte Auswahl der Anbaupflanze sollte man schauen wie viel Sonne auf dem Balkon oder in den Garten fällt. Darauf ist die Gemüse-, Obst- oder Kräuterauswahl abzustimmen. Gartenlandschaftsgärtner Sebastian Volmer von Galabau Plöttner empfiehlt zum Beispiel für den kleinen Balkon bei mittlerer Sonne Pflanzensorten, die zum einen nicht in die Breite wachsen und deshalb gut in Pflanzkästen oder -kübeln gedeihen. Zum anderen sind für den Start beim Urban Gardening Kräuter, Erdbeeren, Radieschen oder Mini-Möhren gut. Sein Tipp, Würzelgemüsesorten, die in der Erde wachsen, sind im Anbau meist einfacher. In Gartenabteilungen im Baumarkt gibt es verschiedene Gemüsesorten zur Züchtung und Einsaat als Mini-Gemüse für den Balkon. „Auch das kleine Gemüse schmeckt genauso, wie die großen Geschwister aus den Gewächshäusern, sogar meist besser. Für Sonnenbalkone und –Gärten sind Tomaten, Erdbeeren oder Gurken ideal. Sie vertragen reichlich Sonne, müssen aber ausreichend bewässert werden.“, sagt Volmer. Bei sehr warmen Temperaturen empfiehlt sich das Gießen mehrmals am Tag. Bei Tomaten muss man besonders darauf achten, dass sie Überdacht stehen und kein direktes Sonnenlicht abbekommen. Tomaten können schnell vertrocknen und bekommen auch im Schatten ihre typisch rote Farbe.

Gefäße für Gemüse, Obst und Kräuter auf dem Balkon gibt es viele verschiedene. Beim Kauf sollte darüber nachgedacht werden, dass ein Balkon zumeist nicht allzu große Flächen besitzt. Mehrere kleine Gefäße wirken zierlicher und nicht so wuchtig. Sie sind leichter verschiebbar und können immer an den besten Platz in der Sonne gerückt werden. Dabei muss allerdings die Pflanze ausreichend Platz im Kübel haben. Große, schwere Kübel sollten eher einen festen Platz haben und dort stehen bleiben. Töpfe aus Kunststoff sind leichter, als die aus Ton oder Stein. Für den Topf eignen sich auch Bohnenranken, Schlangengurken oder Strauchtomaten gut. Sie benötigen allerdings eine Rank-Hilfe, um nach oben zu wachsen.

Urban Gardening Erdbeeren

Um Platz zu sparen, gibt Sebastian Volmer den Tipp die Pflanzen ans Balkongeländer zu hängen oder in Hängeampeln an die Decke. So nutzt man den wenigen Platz auf dem Balkon ideal aus. Dafür eignen sich besonders Hängetomaten, die sogenannten Ampeltomaten, gut. Es gibt viele Tomatensorten für den Hängetopf, wie zum Beispiel „Tumbling Tom Red“ oder „Micro Cherry“. Pflanzen, wie Zucchini oder Rhabarber benötigen dagegen viel Platz und können besser in kleinen Gärten gedeihen. Ihre Blätter sind wuchtig und deshalb benötigen die Pflanzen ausreichen Platz auf einem Gartenboden.

Sind die perfekten Pflanzen für den Balkon oder Kleingarten ausgesucht, geht es ans Einpflanzen. Ein Tipp vom Fachmann: Das Gemüse oder die Kräuter sollten immer mit genügend Abstand zur nächsten Pflanze stehen. Nach dem Einpflanzen wächst jede Pflanze weiter, somit nimmt sie ihrem Nachbarn den nötigen Platz nicht weg. Egal ob Gemüse, Obst oder Kräuter eingepflanzt im Topf oder aber im Boden, die Regel gilt immer.
Steht die Tomate oder Erdbeere an ihrem endgültigen Platz, so geht es an die Pflege. Bei der Pflege sollten auf dem Balkon wie im Kleingarten verdorrte Pflanzenteile immer entfernt werden. Die Erde sollte nicht austrocknen. Besonders bei Topfpflanzen gilt darauf zu achten, dass die Erde im Topf immer feucht ist. Die Pflanzen dürfen allerdings nicht im Wasser stehen, da bei Staunässe die Wurzeln anfangen zu faulen. Dann ist die Freude am Urban Gardening wieder schnell vorbei. Auch im Kleingarten muss bei längerer Trockenheit immer gewässert werden. Hierzu eignen sich besonders die frühen Morgenstunden oder der späte Abend. Dann scheint die Sonne nicht mehr, das Wasser verdunstet nicht so schnell und erreicht die Pflanze. Düngergabe trägt zu einer gesunden Pflanzenentwicklung bei.

Wenn man die kleinen Tricks und Tipps vom Fachmann beherzigt, ist Urban Gardening kein Hexenwerk. Gemüse auf dem Balkon oder im Kleingarten mitten in der Innenstadt gedeiht genauso gut, wie im großen Garten in der Vorstadt. Egal wo das eigen angepflanzte Gemüse wächst, es erfordert immer ein bisschen Liebe und Leidenschaft.

Autorin: Romina Ay

Weitere Infos:

Garten- und Landschaftsgärtner: Sebastian Volmer
Kontakt: ploettner.galabau@t-online.de
Preise für eine Gartenpflege: nach Absprache

Tipps des Garten- und Landschaftsgärtners:

  • Auf die Sonnenzeiten vom Balkon oder des Gartens achten
  • Die Pflanzen sollten im Blumentop/-kübel und im Boden ausreichend Platz haben
  • Das Gemüse, Obst oder die Kräuter dürfen nicht zu trocken stehen
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